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Wie sollte ein Cliffhanger aufgelöst werden?
• Schlechte Auflösung:
– Zeitsprung
– Keine unbequemen Konsequenzen
– Billige Tricks (Off-Screen-Lösungen, Deus ex machina)
➜ Spannung verpufft hier, da die Bedrohungslage entschärft wird bzw. neue Konflikte/Hindernisse eröffnet werden.
• Gute Auflösung:
– Direkte Weiterführung der Handlung
Sichtbare Konsequenzen und Charakterentwicklung
– Figuren müssen sich selbst retten, alternativ sollte der Ausweg logisch und schon vorher in der Welt vorhanden sein.
➜ Spannung bleibt erhalten und es kommt sofort zur Eskalation, anstatt diese zu überspringen.

Bei der Auflösung von Cliffhangern kommt es vor allem darauf an, ob es sich um einen großen oder kleinen Cliffhanger handelt.
• Kleine Cliffhanger (Kapitelende):
Da diese zur kurzfristigen Spannungserzeugung genutzt werden, um den Lesefluss hochzuhalten, können diese mit offenen Fragen, überraschenden Wendungen oder sogar Zeitsprüngen aufgelöst werden.
• Große Cliffhanger (Buch-/Filmende):
Sie sind der Übergang zum nächsten Teil – das epische Finale – und prägen die Erwartungen des Publikums, daher haben sie eine besondere Verantwortung. Gerade durch die lange Pause sollten diese Cliffhanger konsequent und spannend aufgelöst werden.

Vor allem das emotionale Investment des Publikums bei einem großen Cliffhanger spielt hier eine entscheidende Rolle, denn eine gute Cliffhangerauflösung treibt die Handlung voran.
Während schlecht aufgelöste Cliffhanger oft enttäuschend sind und nicht die Erwartungen erfüllen. Im schlimmsten Fall wirkt es für die Leser/Zuschauer so, als würden die Autoren tricksen, weil sie sich in eine Schreibsackgasse manövriert haben oder sie zu faul/unkreativ sind, um diese Szenen auszuerzählen.

• Gute Beispiele großer Cliffhangerauflösungen:
Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2:
In der Post-Credit-Szene wird die Rückkehr von Captain Hector Barbossa, dem im ersten Teil der Filmreihe verstorbenen Rivalen von Jack Sparrow, angeteasert. Er soll den anderen Charakteren dabei helfen, Jack wieder zurückzuholen. Anstatt mit einem Zeitsprung zu beginnen und diese Rettungsmission zu überspringen, dreht sich der Filmanfang genau darum.
Mass Effect 2:
Am Ende der Suizidmission halten Commander Shepard und seine Crew die Kollektoren auf. Trotz ihrer Bemühungen wird im Abspann gezeigt, wie es den Reapern gelingt, in die Galaxie vorzudringen. Der dritte Teil der Reihe setzt kurz danach an und startet mit der Ankunft der Reaper auf der Erde.

• Fazit:
Die Auflösung ist schwerer zu schreiben als der Cliffhanger selbst.
Gerade ein großer Cliffhanger ist wie ein Versprechen, und wenn dieser schlecht aufgelöst wird, ist das Publikum enttäuscht oder fühlt sich manipuliert. Genau deshalb sollte diese Erzähltechnik besonders zwischen zwei Teilen nur eingesetzt werden, sofern sie auch richtig genutzt wird.
Die Harry Potter-Bücherreihe ist hier ein gutes Beispiel: Die ersten drei Bücher sind eher episodenhafte Abenteuer, weshalb keine großen Cliffhanger zum Einsatz kommen. Mit Voldemorts Rückkehr am Ende des vierten Buchs wird der Erzählton düsterer und die Geschichte zusammenhängender, sodass dieses Stilmittel von da an immer konsequent den Abschluss zwischen den Romanen bildet.